Mit doppelter Botschaft ins … Nichts
In unserem letzten Newsletter hatten wir Sie eingeladen, uns am 5. Dezember in der Klimafakten-Redaktion zu besuchen und mit uns ins Gespräch zu kommen – diese herzliche Einladung an Sie als Leser:innen gilt weiterhin!
Wir könnten uns dann zum Beispiel darüber unterhalten, wie klar und eindeutig Klimakommunikation sein sollte. Sicherlich haben sie ja auch schon einmal von diesen Unfällen gehört, bei denen Menschen beim Einparken in der heimischen Garage Gas- und Bremspedal verwechselt haben. Mit schwerwiegenden Folgen. Versucht man hingegen Gas- und Bremspedal gleichzeitig zu betätigen, kann das nicht minder fatal sein. Zumindest in der Kommunikation gilt: Mixed Messages zu verbreiten, also zwei gegensätzliche Botschaften parallel zu senden, sollte tunlichst vermeiden, wer Wirkung erzielen und Misstrauen vermeiden will.
Gas geben und Bremsen – leider erinnert das an den kommunikativen Sound, der aktuell die politische Debatte bestimmt. Da ist auf der einen Seite der Ruf nach Dynamik: Fast täglich ist die Aufforderung zu hören, angebliche Wachstumsblockaden für die Wirtschaft durch den Abbau von Regulierung zu lösen, angesichts von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz verbreitete Bedenken hintanzustellen, einen Kurs des economy first zu verfolgen. Dies alles mit der aus der Schwarzen Pädagogik stammenden Drohung versehen, wer sich hier in den Weg stelle, bedrohe die globale Wettbewerbsfähigkeit und ebne damit den Weg in die wirtschaftliche Verelendung des Landes.
Diametral anders die Botschaften in Sachen Klimapolitik: Zwar geht beispielsweise in China, aber auch in wie Dänemark oder Norwegen ein klarer Kurs der Elektrifizierung mit wirtschaftlicher Dynamik einher. Zwar sind auch hierzulande Unternehmen in Vorleistung gegangen, haben in innovative, fossilfreie Zukunftstechnologien und entsprechende Fertigungsstätten investiert. Und doch ist in Deutschland von Regierungsseite vor allem ein lautes Bremssignal zu hören, in Worten wie in Taten. Man dürfe es mit den Klimazielen nicht überstürzen, dürfe beim Klimaschutz niemanden überfordern -- und überhaupt, man sei sich beim Einstieg in die Elektromobilität, beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern, bei der klimaneutralen Gebäudesanierung irgendwie gar nicht so sicher....
Diese Widersprüchlichkeit in der politischen Kommunikation dürfte seine Wurzel in dem wirtschaftspolitischen Paradigma haben, wonach Wohlstand und wirtschaftliche Dynamik letztlich mit dem Preis ökologischer Schäden zu bezahlen seien. Hier das Wohlergehen der Menschen, dort der Schutz der Menschen – so die für viele zwar intuitiv eingängige, aber dennoch falsche Dichotomie.
Nun gibt es beispielsweise in der Energiepolitik Versuche, diese vermeintliche Gegensätzlichkeit zu überwinden. So etwa mit dem Modell des „energiepolitischen Dreiecks“ dreier angeblich gleichberechtigter Ziele aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit. Im umwelt- und wirtschaftspolitischen Alltag muss dieses Dreieck dann aber letztlich doch immer wieder für die Forderung herhalten, es mit dem Umwelt- und Klimaschutz (oder dem Ausbau der Erneuerbaren) doch bitte nicht zu übertreiben.
Gasgeben und Bremsen: Wer einen Ausweg aus der Widersprüchlichkeit (und, nebenbei gesagt, der fossilen Metaphorik) sucht, dem sei ein Blick auf die planetaren Grenzen empfohlen. Denn jenseits dieser Grenzen wartet das Nichts. Und Nichts mal wirtschaftliche Dynamik ergibt weiterhin: nichts. Oder, wie es die Managerin und Podcasterin Stefanie Hauer einmal formuliert hat – die Wirtschaft ist eine Unterabteilung der Natur, nicht umgekehrt.
Mit besten Grüßen aus der Klimafakten-Redaktion,
Ihr Carel Carlowitz Mohn