Rezepte und Zutaten – auf beides kommt es an
Es gibt Leute, die teilen die Welt ein in Hundeliebhaber auf der einen und Katzenfans auf der anderen Seite. Andere in Bier- oder Weintrinker. Entweder oder. Auch beim Kochen und Backen gibt es diese dualistische Weltsicht: Hier die Kochfans, die aus leeren Kühlschränken nur mit Improvisation und Gefühl die tollsten Menüs zaubern – dort die Backfans, die streng nach ausgefeilten Rezepturen und mit exakt abgewogenen Mengen meisterliche Torten und köstliche Mehlspeisen fertigen.
Auch wenn die Freunde des kreativen Kochens darüber spotten mögen – sich an ein Rezept zu halten, ergibt beim Backen durchaus Sinn, folgen doch gerade die chemischen Prozesse im Backofen bestimmten Regeln, Grundmustern und Leitprinzipien. Sich bewusst an derleib Regeln, Grundmuster und Leitprinzipien zu orientieren, ist übrigens auch ein Erfolgsrezept für wirksame der Klimakommunikation und mehrheitsfähige Klimapolitik.
Um derartige Leitprinzipien geht es in einem Policy Paper, das Klimafakten in Zusammenarbeit mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Institute for Planetary Health Behaviour an der Universität Erfurt veröffentlicht hat. Diese Leitprinzipien sind als Antwort auf ein Paradox zu verstehen, das in der Klimapolitik zu beobachten ist:
Auf der einen Seite messen Umfragen eine anhaltend große Besorgnis über den Klimawandel und belegen, dass Menschen quer durch das Parteienspektrum von der Politik mehr Klimaschutz erwarten. Zugleich aber geben sich politische Entscheidungsträger größte Mühe, jegliche Form klimapolitischer „Zumutungen“ zu vermeiden. Und seit dem Kommunikationsdebakel um das Heizungsgesetz scheint im politischen Berlin eine geradezu panische Furcht vor angeblich toxischen Klimadebatten zu herrschen.
Aus dieser Abwärtsspirale wechselseitiger Negativerwartungen zwischen Politik und Wählerschaft wollen die im Policy Paper herausgearbeiteten fünf Leitprinzipien einen Ausweg weisen – und aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen Klimapolitik und -kommunikation auf breiten gesellschaftlichen Rückhalt zählen kann. In einer Online-Veranstaltung am 5. März stellen wir das Policy Paper vor und diskutieren es mit dem Politikberater Johannes Hillje. Ganz egal, ob Sie Kochen oder Backen bevorzugen, wir laden wir Sie herzlich dazu ein.
Auch Desinformation folgt übrigens bestimmten Regeln, Grundmuster und Leitprinzipien. Wer Desinformation (nicht nur zum Klima) entgegentreten will, sollte sie kennen – also verstanden haben, was sie so (psychologisch) attraktiv und erfolgreich macht. Deshalb bringen unsere beiden Infografiken zu den PLURV-Methoden der Desinformation und zu Diskursen der Verzögerung die Maschen und Muster auf den Punkt. Diese beiden Grafiken gibt es schon lange bei uns als großformatige Poster – dasselbe gilt jetzt auch für die „Sechs Kerninfos zum Klimawandel“, die wirklich alle Menschen wissen sollten. Wer sie fürs Lehrer- oder Klassenzimmer, fürs Warte- oder WG-Zimmer, für die Redaktion oder fürs Büro (vor)bestellen möchte, kann es hier tun.
Mit herzlichen Grüßen aus der Küche der Klimakommunikation,
Ihr Carel Carlowitz Mohn